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Die Kunst der Landschaftsfotografie

Sehen, Erkennen, Umsetzen

Die Landschaftsfotografie ist eines der schönsten Genre innerhalb der Fotokunst. Draußen in der Natur genießen wir das Abenteuer und finden wunderschöne Orte. Das festhalten der Szene ist dabei oftmals schwieriger als man denkt. Denn kaum Daheim angekommen, werden die Fotos am PC ausgewertet und schnell stellt sich eine gewisse Nüchternheit ein. Die Farben geben das Gesehene nicht wieder, die Bilder besitzen keine räumliche Tiefe, sie wirken flau & langweilig. Es ist einfach nichts mehr von der Stimmung und  des existierenden Moments vorhanden. Ja, auch Landschaftsfotografen müssen ihre Arbeit planen und gut durchdenken. Mit diesem Artikel wollen wir dir erste Anhaltspunkte geben, dass Du zu perfekten Bildern kommst.

Tipps zur Landschaftsfotografie

Die Gestaltung

Die Gestaltung des Bildes ist essentiell wichtig, dahingehen ob es sich später um einen Schnappschuss oder ein Meisterwerk handeln wird. *zwinker* Die verschiedenen Bildelemente, die miteinander kombiniert werden und in einen Dialog zueinander treten, nehmen starken Einfluss auf die zu vermittelnde Bildaussage. „First of all“ man braucht eine schöne Landschaft und gutes Licht, um hervorragende Arbeiten erstellen zu können.

 

Hast du diese gefunden, vermeide es deine Bildinformationen nur mittig zu setzen, denn so wird dein Bild in den meisten Fällen an Spannung verlieren. Um dem Entgegenzuwirken wurden Regeln, wie die des „Goldenen Schnittes“ erfunden. Jene, werde ich aber weiter unten im Artikel noch ausführlicher beschreiben.

 

Die Ausarbeitung  einer Landschaftsfotografie sollte den Aufbau von Schichten und Farben, die Einbeziehung von unterschiedlichen Perspektiven, die Umrahmungen und das integrieren von  (Führungs-) Linien und Mustern, die in das Bild hinein oder aus diesem herausführen, beachten. Und nun alles wieder rückwärts -   ab und an ist es auch angebracht, die Regeln einfach mal zu brechen  - denn Chaos kann auch interessant sein!

Der Goldene Schnitt oder auch die Drittel Regel

In der Landschaftsfotografie setzen Fotokünstler den sogenannten Goldenen Schnitt ein, welcher auch als Drittel Regel bekannt ist. Dieser besagt, dass das Sucherbild der Kamera horizontal und vertikal  mit jeweils 2 durchzogen Linien dargestellt wird. Die wichtigsten Bildinhalte werden nun auf diesen Linien, oder auf den sich daraus ergebenden 4 Schnittpunkten arrangiert. Nun kannst du es so Handhaben, dass du die Landschaft auf einen Drittel des Bildes anordnest und den Horizont auf den verbleibenden zwei Dritteln. Umgekehrt ist das natürlich auch machbar. Starke Objekte, wie Bäume und Tier, solltest du einen der 4 Schnittpunkte zuordnen.  Du kannst dir die Linien auf dem Display deiner Kamera anzeigen lassen, um das Gestaltungselement leichter Anwenden zu können. Prüfe dazu die Menüeinstellungen und schau mal bei den Displayeinstellungen unter dem  Punkt "Gitternetzlinien oder Hilfslinien" nach. 

  

Rule of thirds
By No machine-readable author provided. Clngre~commonswiki assumed (based on copyright claims). [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Workshop: Versuche eine Woche lang die wichtigsten Bildelemente auf diese Linien oder deren Schnittpunkte zu setzen. Werte später die Bilder am Computer aus und lerne dadurch das Gestalten und Anordnen im Bild. Deine Fähigkeiten werden besser, wenn du ausreichend übst.  

Die beiden einzelnen Bäume links und rechts liegen auf der vertikalen Achse der 2 senkrechten Linien des Goldenen Schnitts und geben damit dem Foto eine entsprechende Tiefenwirkung . 

Vordergrund

Ein berühmter Fotografenausspruch lautet "Vordergrund macht Bild gesund". Dieser besagt, dass man neben der Abbildung der klassischen Landschaftsszenerie gut daran tut, einen weiteres belebendes Element im Bild zu schaffen – eben die Gestaltung des Vordergrundes. Suche dir  hierzu ein Objekt (z.B. einen Baum, einen Felsen,  einen Stein, ein Blatt… „so what“ … deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt), um dieses in den vorderen Teil einzubauen. Das Bild bekommt dadurch Tiefe, wirkt räumlicher und beim Betrachter wird mehr Spannung erzeugt. Der Vordergrund ist in vielen Fällen für das menschliche Auge der Einstieg ins Bild und führt dieses von dort aus geleitet hindurch.

Außerdem können Aufnahmen aus unterschiedlichen Standpunkten heraus  Eintönigkeit vermeiden. Hocke dich ab und zu mal hin und betrachte das Gebiet von unten oder versuche eine Auslösung von einer Erhöhung aus zu machen. 

 

Workshop: Versuche zwei Wochen lang Vordergründe in deine Bilder einzubauen. Betrachte die Bilder im Anschluss am PC und lerne deren Wirkungen zu verstehen. 

Spiegelungen

Viele Landschaftsbilder leben von der Spannung, dass sich Berge oder Bäume auf der Wasseroberfläche spiegeln. Sie wirken damit dramatischer und füllen die leere Fläche des Wassers gewinnbringend aus.  

 

Workshop: Schnapp dir den Polfilter und versuche Speigelungen und Reflexionen auf Objekten wegzunehmen. Zugleich lass dich auf  gefundene Reflexionen ein und lerne damit zu hantieren. Versuche die Reflexionen bewusster in deine  Bilder einzubauen und werte deine Arbeiten ausführlich aus. 

Die Belichtung und das Licht

Zur korrekten Belichtung stehen dir an deiner Kamera viele Tools zur Verfügung. Man kann nicht sagen, dass es die eine Belichtungsmethode für jeden Zweck gibt. Manchmal reicht eine Mehrfeldmessung aus, wo unterschiedlich verteilte Bild- und Lichtinhalte über den Sensor der Kamera gemessen werden. Sind aber viele helle und dunkle Stellen vorhanden, ist möglicherweise auch eine Integral oder Spotmessung angebracht.

 

Bestenfalls fokussiert man beide Bereiche an, die hellen wie auch die dunklen, schießt mehrere unterschiedlich belichtete Aufnahmen und stacked (*zwei Bilder werden übereinandergelegt und verschmolzen) diese am PC zusammen.

 

Ein Abgleich über das Histogramm ist unumgänglich, da nur dieses Aufschluss darüber gibt, ob ein Bild unter- oder überbelichtet ist. Im JPEG Format würde ich eine Belichtung bevorzugen, die in der Mitte des Histogramms eine gleichmäßige Verteilung der Tonwerte zeigt. Extrem ausschlagende Balken auf der rechten Seite der Belichtungsanzeige führen zur Überbelichtung und auf der linken Seite zur Unterbelichtung einzelner Bildanteile. Fazit, gleich verteilende Tonwerte, die Mittig ausschlagen und in  RAW aufgenommen wurden, erhöhen später die Herstellung eines perfekt belichteten Bildes. Denn nur wenn du im RAW - Modus  arbeitest, kannst du eine umfangreiche Nachbearbeitung gewährleisten.

 

Ist ein mittiges Histogramm  wegen den schwierigen Lichtbedingungen vor Ort nicht zu realisieren, würde ich eine nach rechts belichtete Fotografie anstreben. Das heißt, die Balken der Tonwerte wandern nach rechts, gehen aber nicht über deren Rand hinaus. Achtung, auch diese Aufnahmen würde ich nur im RAW fotografieren, da ich so die überbelichteten Bereiche später besser korrigieren kann. Die Einstellung des Histogramms an deiner Kamera findest du in den  Menüeinstelungen.

 

 

Workshop: Vergleiche die unterschiedlichen Belichtungsmethoden und experimentiere damit, so dass du deren Wirkungsweise kennen lernst und eine perfekte Belichtung einschätzen kannst. 

Farben

In jedem Bereich der Fotografie wirken Komplementärfarben innerhalb eines Bildes sehr stimmig. Sie ergänzen sich und bringen in ihrer Harmonie ein Bild zum Leuchten. Komplementärfarben sind im Kreis gegenüberliegend angeordnet, so das blau und gelb, wie im unteren Beispiel ein Komplementärpaar ergeben.   

Komplementär
By Benutzer:Golden arms (von mir erstellt) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Zur Gestaltung kommt noch die psychologische Wirkung der Farben hinzu. Ihnen liegen menschliche Zuschreiben und Gefühle zugrunde, die wir dir im folgenden Vorstellen:

 

Blau = kalt, frei, Weite, Ferne, cool

Rot = warm, heiß, Achtung, Stopp

Gelb = angenehm, Aufmerksamkeit

Grün = kühl, Landschaft, Wildnis, Natur, Hoffnung

Weiß = kalt, einsam, leer, Unschuld, rein

Schwarz = leer, neutral, Trauer, Härte, Schuld, Tod

 

Workshop: Trainiere eine Woche lang deinen Bildern über Farben einen Ausdruck zu verleihen. Entwickle ein Thema und setze die Farben bewusst dafür ein.  

Aber nicht nur die Farben sorgen für Stimmung, sondern gerade auch das Entsättigen der Bilder, bis hin zum Schwarz-Weißen, hat seinen Siegeszug in die Landschaftsfotografie gefunden. Einer der berühmtesten Fotografen dieser Stilrichtung ist Ansel Adams

Tageslicht & Jahreszeiten

Das beste Licht, wie grauenhaft das man dafür so früh aufstehen muss, findet man zur frühen magischen Morgenstunde oder zur abendlichen Dämmerung. Die Farben kommen nun verstärkt zur Geltung und gleiten in wärmere Töne ab. Die romantisch dramatische Stimmung ist von vielen Fotografen gesucht.  Und damit am morgen keine Hektik entsteht, versuche am Ort des Geschehens zu sein, bevor das Licht durchschlägt. So hast du noch genug Zeit, um die Technik aufzustellen und das Bild zu komponieren. Für die Abendaufnahme gilt das gleiche,  sei lieber ein bissel ehr am Platz und richte dich gut ein.

 

 

Wetterumschwünge während des Tages, bringen ebenso hervorragendes Licht hervor. Teilweise brechen  nur vereinzelte Sonnenstrahlen durch die Wolken hervor, die die Landschaft aber einzigartig erscheinen lassen.

 

Und zu guter Letzt,  beachte die unterschiedlichen Lichtbedingungen während der Jahreszeiten. Winterlicht ist kühler als Herbst- oder Sommerlicht und wer mit diesem spielt, kann seine Bildaussage nochmals unterstreichen.  

 

Workshop: Nimm einen Ort in deiner Heimat und lichte diesen zu unterschiedlichen Jahreszeiten einmal ab. Nach einen Jahr nimmt du die verschiedenen Fotos zur Hand und vergleichst sie auf deren Wirkung.

Schärfe und Blende

Eventuell ist die Blende das wichtigste Element in der Landschaftsfotografie, da man scharfe Bilder haben möchte. Dabei bietet sich an, die Tiefenschärfeskala der Blende auf unendlich zu stellen.  Eine andere Faustregel besagt, das man mit einer kleinen Blende auf das ersten Drittel im Bild zu fokussiert, so dass die dahinterliegenden Objekte scharf abgebildete werden. Beide  Wege sind "Fastfood - Varianten" und helfen schärfere Bilder zu gestalten, wenn man keine Hyperfokaldistanzen kennt. Wer jedoch exakt arbeiten will, setzt sich mit diesem Thema auseinander. Wichtig ist, dass man an seinem Objektiv die hochwertigste Blendenstufe findet. Ich meine die, die am schärfsten Abbildet. Meist sind das Werte im Bereich von 8-13 F. Zu hoch gewählte Blenden 16-22 F können das Bild schon wieder beugen und es unscharf erscheinen lassen. Denn für jede Brennweite und Blenden Kombination gibt es eine Fokusentfernung, die die Schärfentiefe unter optimal Bedingungen nutzt. Eine genaue Erläuterung der Hypofokaldistanz findest du in diesem tollen Erklärvideo. 

Ausrüstung & Technik

Polfilter

Der Polfilter ist wunderbar dazu geeignet, um Wasseroberflächen oder metallische Untergründe zu entspiegeln. Sie erhöhen die Farbsättigung im Bild und wirken dem Blendlicht entgegen. Polfilter sind im digitalen Zeitalter nicht mehr ganz so von Nöten wie sie es schon einmal waren, wenn es um die Herstellung von knackigen Farben geht. Vielmehr findet er heute sein Einsatzgebiet in der Entspiegelung von Flächen, wo er weiterhin unersetzlich bleibt. 

 

Ein hochwertiger Schraubfilter ist der von B+W   Eine nicht so teure Variante, aber auch von ausreichend guter Qualität ist der von Hoya.

 

Wenn du ein Steckfiltersystem verwenden möchtest, dann schau dir einmal die Filter Nisi an 

ND oder auch Graufilter

Eine Landszene ist in ihren jeweiligen Bereichen, zu unterschiedlichen Tageszeiten, mit unterschiedlich viel Licht gefüllt. Würde ich an einen hellen Tag meine Belichtungsmessung auf einen Bereich wie den des Himmels einstellen, so würde mit hoher Wahrscheinlichkeit die Landschaft im unteren Teil des Bildes unterbelichtet sein. Um diese Toleranzen untereinander auszugleichen, kommen Grauverlaufsfilter / Graduated Filter zum Einsatz. Für die Landschaftsfotografie sind die Filter ein sehr wichtiges Tool und helfen dir tatsächlich besser belichtete Fotos zu erstellen.

 

Die Filter gibt es in unterschiedlicher Stärke und mit unterschiedlichen Verläufen. Ein Grauverlaufsfilter hat auf der oberen Seite des Glases mehr verdunkelte Anteile, als auf der unteren. Beispielsweise kann somit ein Himmel,  mit seinen hellen Inhalten abgedunkelt werden und die Landschaft, die im neutralen Bereich des Filters liegt, korrekt belichtet verbleiben.   

 

Hervorragenden Schraubfilter mit Grauverlauf findest du im B+W System  oder bei Hayda.

 

Unsere Kaufempfehlung bei Stecksystemen für Grauverlaufsfilter geht ganz klar in die Richtung von Lee und Nisi. Die Filterhaben zweifelsohne ihren Preis, lieferen aber hinsichtlich der Farbechtheit im Bild eine tolle Qualität. 

 

Durchgängige Graufilter, auch ND (Neutral Density) Filter genannt, sind über die gesamte Fläche gleichmäßig verdunkelt und lassen den Fotograf mit deutlich längeren Belichtungszeiten arbeiten. Somit können Bewegungseffekte, wie das verschwimmen des Wassers, dargestellt werden. Mit dem Einsatz des Filter lässt sich auch bei Sonnenschein mit offener Blende hantieren. 

 

In der Schraubfiltervariante rangieren im oberen Qualitätsfeld die Filter von B+W mit 3,0 Stopps & B+W Graufilter ND64. Die günstigere Variante findest du bei den Filtern von Hoya.  

 

Wer flexibel sein Set aufbauen will,  sollte sich auch die hochwertigen Graufiltersysteme von Lee und Nisi anschauen. Günstigere Produkte gibt es hier von der Firma Cokin

 

Stativ

Vergiss nicht dein Stativ, wenn du zur Natur gehst. Klaro, es ist schwer und lästig mitzuführen, aber du kannst den meisten Lichtbedingungen  damit begegnen. Eigentlich ist es unersetzlich, wenn man eine kleine Blende zur Tiefenschärfe einsetzt bzw. in der Dämmerung eine Langzeitbelichtung durchführen möchte.  Aus der Hand wirst du solche Zeitabstände nicht verwacklungsfrei  halten können. Somit ist das Mitführen eines Stativs,  dass A und O für scharfe Fotos in der Landschaftsfotografie. Es sollte in keiner Ausrüstung fehlen, wenn man sich wirklich ambitioniert mit diesem Thema auseinandersetzen möchte.  Unser absoluter Preis/Leistungssieger ist das Traveller Modell von Rollei oder das Carbonstativ von Manfrotto. Letzteres ist natürlich wegen seines Gewichtes absoluter Luxus, wenn man längere auf Reisen unterwegs ist. Um sein Stativ schnell an ungewöhnlich Plätzen, wie einen Baum oder an einem Geländer anzubringen, bietet sich ein Gorilla Pod für Systemkameras an.

Objektive

Für die Naturfotografie empfehlen wir vermehrt den Einsatz von Weitwinkelobjektive. Diese zeigen dir einen großen Bildausschnitt im Sucher der Kamera, so dass viele Details der Szenerie festgehalten werden können. Die Linse sollte dabei lichtstark und scharf sein, so dass verschiedene (Licht-) Situationen bearbeitbar sind. Für diese Zwecke findest du im Fujisystem das Zoomobjektiv Fujion XF 10-24mm.  Das Objektiv lässt dich sehr variable unterwegs sein, nur das Gewicht stört, da es mit das Schwerste ist unter den Fujifilm-Weitwinkel - Gläsern. Klassische Festbrennweiten sind das weitwinklige FUJINON mit 14mm  oder das 16mm 1.4.. Beide Objektive spielen in oberen Liga und sind damit das Beste was Fujifilm zu bieten hat.  

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Kommentare: 1
  • #1

    Till (Donnerstag, 01 März 2018 19:09)

    „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Augustinus Aurelius - Gruß und viele gute Momente in der Natur.

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