Psychologie der Fotografie

„Fotografieren, das ist eine Art zu schreien, sich zu befreien … Es ist eine Art zu leben.“        Henri Cartier-Bresson

 

Zum Einstieg in das Thema „Fotografie in der Psychologie“ soll in kurzer Form ein Verständnis darüber gegeben werden, wie diese auf uns  wirkt und welche Möglichkeiten sie in der Arbeit zu Menschen ermöglicht. Grob gesagt, ist es das Malen mit Licht und wenn sie unveränderbar arbeitet, gar ein realitätsnahes Medium - für den Moment.  Zugleich, reduziert sie unsere Wirklichkeit und beschäftigt sich nach dem Auslösen ausnahmslos mit der Vergangenheit. Das Portraitfoto vermag es jedoch eine Facette unserer Persönlichkeit darzustellen und lädt zum inneren, wie zum äußerlichen, Diskurs ein. Dabei lösen Bilder Emotionen aus und visualisieren Wünsche und Sehnsüchte. Sie schaffen es, das wir uns an vergangenes erinnern und Wichtiges bildlich festgehalten bleibt.  Die Bedeutung eines Fotos ist jedoch nichts Endgültiges oder Absolutes, sondern sie wird von der Erfahrung und Sichtweisen des Betrachters geformt. Unter diesem Aspekten ist es Interessant, was die Fotografie im Bereich der Psychologie leisten kann. 

 

Die Künstler Ulay und Marina Abramovic nutzten das Medium vor Jahrzehnten zur Selbstidentifikation mit therapeutischen Effekten. Über die Fotografie haben beide Ihre langjährige Paarbeziehung ergründet und szenisch, im wahrsten Sinne des Wortes „gewaltenreich“, dargestellt. In den Aufnahmen entstanden Darstellungen & Perspektiven, durch die sie Zugang zu ihren Innersten und deren Emotionen fanden. Marina spricht in verschiedenen Interviews von erlebten Traumata, die sie in der Kunst zu verarbeiten sucht. Ulay untersucht Zeitlebens über die Fotografie die eigene Identität und verschiedene Geschlechterfragen.

 

Scheinbar liegt es der Fotografie inne, ein Spiegel der eigenen Erinnerung zu sein, die das eigene Leben, die Emotionen und Gefühle zeigt. Über die Fotografie werden Lebensgeschichten und Lebenswirklichkeiten festgehalten, wobei die Bedeutung des Bildes immer abhängig vom Betrachter ist, da dieser eigene Wahrnehmungen und Interpretationen ins Bild hineinlegt und somit verschiedenste Reaktionen in sich entstehen lässt.  Wir betrachten die grafischen Darstellungen aus unseren persönlichen Blickwinkel heraus und überlagern diese mit all unseren Erfahrungen, Ängsten, Hoffnungen und Wertvorstellungen. Darin liegt die Stärke der Fotografie, die als Medium zur eigenen Persönlichkeitsforschung dient und  Reflexionsprozesse anschiebt.

 

 

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